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Freitag, 26. August 2016

Wenn Umweltschützer gegen Klimaretter kämpfen. Wäre dieses auch für Lichtenau denkbar?

 

Wenn Umweltschützer gegen Klimaretter kämpfen

Windräder zerfetzen jedes Jahr mehr als 10.000 Vögel. Ausgerechnet ein grüner Ministerpräsident muss jetzt entscheiden, was wichtiger sein soll: Die Energiewende oder der Schutz bedrohter Arten.
Windräder in der Nähe des Kandels bei Waldkirch: In Baden-Württemberg leben besonders viele Rotmilane

Es ist ein unauffälliges Schreiben, nur vier Sätze in Amtsdeutsch mit vielen Paragrafen. Und doch ist der Antrag des Energieversorgers EnBW ans Regierungspräsidium Stuttgart nach Meinung von Naturschützern brisant. "Hier kann ein halbes Jahrhundert Geschichte des deutschen und europäischen Naturschutzrechtes Makulatur werden", rügt Wolfgang Epple. "Ein Dammbruch droht", warnt Harry Neumann. "Das ist schon eklatant, was da passiert", schimpft Fritz Vahrenholt.
Der Grund für die Empörung der Naturschutz-Aktivisten: Für zwei geplante Windräder in Adelberg, eine knappe Fahrtstunde östlich von Stuttgart, hat EnBW eine Ausnahmegenehmigung vom Tötungsverbot für den Rotmilan beantragt.
Der landeseigene Energiekonzern plant zwei 230 Meter hohe Windkraftanlagen. Und in denen könnte ein gefährdeter Greifvogel, der Rote Milan, sterben. Das gibt sogar EnBW selbst in seinem Antrag zu. Doch das will man in Kauf nehmen – für die Energiewende und das Geschäft mit der Windkraft.
"Wenn das Schule macht, ist das der Ausverkauf des Naturschutzes in Deutschland und des europäischen Artenschutzes zugunsten der Windindustrie", sagt Harry Neumann, Vorsitzender des Vereins Naturschutzinitiative. "Klimaschutz und Energiewende sind dabei, den Naturschutz zu kannibalisieren", sekundiert der Vogelkundler Epple, langjähriger Geschäftsführer des Naturschutzbundes Baden-Württemberg (Nabu).

Ein "signifikant erhöhtes Tötungsrisiko"

Die Lebensläufe von Neumann, Epple und Fritz Vahrenholt könnte unterschiedlicher nicht sein: Landschaftsfotograf aus Rheinland-Pfalz der eine, promovierter Biologe der andere, Ex-SPD-Umweltsenator in Hamburg und früherer Ökostrom-Manager der Dritte. Alle haben einst die Windkraft positiv gesehen und sie als Waffe im Kampf gegen den Klimawandel verstanden. Und alle drei sind zu Skeptikern geworden.
Ihre Kritik: Investoren verlangten immer häufiger einen Freifahrtschein, um nicht mehr auf die Rechte von Tieren achten zu müssen. Sollte Adelberg seine Ausnahme bekommen, wäre das Tor offen für eine fatale Entwicklung, fürchten sie.
Im Antrag an das Regierungspräsidium Stuttgart, der der "Welt am Sonntag" vorliegt, räumt EnBW selbst ein: Die Windmühlen stünden womöglich in einem "regelmäßig frequentierten Flugkorridor" von zwei Rotmilan-Brutpaaren. Ein "signifikant erhöhtes Tötungsrisiko" lasse sich "nicht gänzlich ausschließen".
Deshalb soll das Regierungspräsidium für Adelberg das gesetzlich verankerte Tötungsverbot für den Rotmilan aufheben – weil an diesem Standort das "öffentliche Interesse" überwiege. Als Argumente fallen Begriffe wie Arbeitsplatzsicherheit, Netzstabilität und Versorgungslücken durch die Abschaltung der Atomkraftwerke Philippsburg und Neckarwestheim.

60 Prozent der Vögel leben in Deutschland

Nun galt der Rote Milan bisher stets als K.-o.-Kriterium für Windkraftprojekte. Der Greifvogel mit seinem rostroten, tief gegabelten Schwanz ist nicht nur eine streng geschützte Art. Es leben auch rund 60 Prozent der schätzungsweise 15.000 Brutpaare weltweit in Deutschland. Laut Umweltministerium befinden sich davon wiederum rund 17 Prozent in Baden-Württemberg.
"Es besteht eine besondere Verantwortung für die Erhaltung der Art", sagt ein Sprecher des Ministeriums von Umweltminister Franz Untersteller (Grüne). Naturschützer fürchten, dass diese Verantwortung immer weniger zählen könnte, weil der Druck aus Politik und Wirtschaft wächst, die Energiewende voranzutreiben.
Eine für viele Tiere existenzielle Frage spitzt sich zu: Lassen sich Arten- und Klimaschutz miteinander vereinbaren, oder geht das eine auf Kosten des anderen? Wiegt am Ende die Gefahr der Erd-erwärmung schwerer, wenn es um den Schutz von Tieren und Pflanzen geht – oder die Gefahr durch große Windmühlen in Biotopen seltener Arten?

Der Rotmilan hat keine Angst

Bis 2020 sollen in Baden-Württemberg 1200 Windräder stehen, doch davon ist das Land noch weit entfernt. 510 Anlagen sind in Betrieb, weitere 310 in der Genehmigung. Je mehr Rotoren sich drehen und je knapper die Flächen werden, desto schärfer werden die Konflikte. So wetterte der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) schon vor Jahren gegen ein "faktisches Windkraftverbot im Land", das mit dem Artenschutz begründet werde. 
Der grüne Ministerpräsident Winfried Kretschmann appellierte an die Behörden, "Spielräume" zugunsten der Windkraft auszunutzen. Andre Baumann, bis vor Kurzem Landeschef des Naturschutzbunds (Nabu) Baden-Württemberg und neuerdings Umwelt-Staatssekretär, betont: Der Bau neuer Windräder und der Naturschutz stünden nicht im Widerspruch.
Für den Rotmilan selbst lässt sich dieser Widerspruch nicht so leicht ausräumen. Das liegt nicht nur an der Bedrohung seiner Art, sondern auch an seinem Wesen: Er gehört zu den wenigen Tierarten, die sich durch Windenergieanlagen nicht vergrämen lassen.
Foto: dpa/dpa-ZB Ein Rotmilan (Milvus milvus) über dem Naturpark "Feldberger Seenlandschaft" unweit von Feldberg in Mecklenburg-Vorpommern
Wenn der Greifvogel mit seiner majestätischen Spannweite von bis zu 170 Zentimetern über Feldern nach Mäusen, Ratten oder Maulwürfen Ausschau hält, ängstigen ihn die teils 300 Stundenkilometer schnellen Rotorblätter nicht. Im Gegenteil. In den gemähten und gerodeten Flächen rund um die Stahltürme erspähen Rotmilane besonders häufig Beute.

Umweltschützer fürchten Nachahmer-Effekt

Nun ist es nicht so, dass EnBW auf den Vogelschutz überhaupt keine Rücksicht nehmen wollte. Tatsächlich haben die Planer auch aus Tierschutzgründen die Anzahl der Windkraftanlagen in diesem Gebiet bereits reduziert, von ursprünglich neun auf nur noch zwei hohe Räder. Zudem will der Konzern den produzierten Windstrom mit unterirdischen Kabeln abtransportieren, um zu verhindern, dass die Vögel an Freileitungen zu Schaden kommen.
Was Naturschützer wie Fritz Vahrenholt von der Deutschen Wildtier Stiftung bei diesem vergleichsweise kleinen Projekt aber besorgt, ist die Nachahmer-Gefahr. Wenn in Adelberg gelten sollte, dass Windkraftanlagen stets im "überwiegenden Interesse der Öffentlichkeit" stehen und somit "zwingend" zu genehmigen seien, dann könne sich der nächste Projektierer ein paar Kilometer weiter auf denselben Grundsatz berufen.
Ein Sprecher des Umweltministeriums weist das zurück: Es gebe kein "öffentliches Interesse", das per se zwingend höher eingeschätzt werden müsse als der Artenschutz. Jede Genehmigung werde als Einzelfall geprüft.
Doch Ministerpräsident Winfried Kretschmann hat stets klargemacht, dass in seinem Land an einem breiten Ausbau der Windkraft kein Weg vorbeiführt – weil es das Gemeinwohl gebiete. "Wer eine unverstellte Landschaft als höchsten Wert hat, dem kann ich nicht helfen", polterte er. Die Anlagen müssten nun mal in die Landschaft gebaut werden. "Wir können sie ja nicht in den Keller stellen."

Population sinkt rapide in Windkraft-Ländern

Die Windkraftbranche hat im Frühjahr eine Untersuchung des Schweizer Ingenieurbüros "KohleNusbaumer" präsentiert, die den Konflikt zwischen Rotmilan und Windkraft zum "Scheinproblem" ernannte. Die Befunde der staatlichen Vogelschutzwarten in Deutschland seien irreführend, tatsächliche vergrößere sich die Population des Rotmilans trotz des Windkraftausbaus.
Der Nabu unterzog der Schweizer Unbedenklichkeitserklärung allerdings einem "Faktencheck" – mit haarsträubender Bilanz. "Hier werden selektiv ausgewählte Fakten aus nicht vergleichbaren Quellen in irreführender Weise vermengt", erklärte der Bundesverband. So habe der Autor beispielsweise "einen deutschlandweit leicht zurückgehenden Rotmilanbestand in einen dramatischen Bestandsanstieg umgedeutet."
Fakt sei, so Nabu-Vogelschutzexperte Lars Lachmann, dass die Rotmilan-Population überall dort stabil oder sogar wachsend sei, wo es noch keine Windkraftanlagen gebe, so etwa in Baden-Württemberg. In Windkraft-Ländern wie Niedersachsen, Brandenburg oder Sachsen-Anhalt hingegen nehme die Population tatsächlich rapide ab.

Kein Klimaschutz auf Kosten des Vogelschutzes

Bestätigt wurde die Nabu-Sicht im Juni durch die sogenannte Progress-Studie der Universität Bielefeld und mehrere Öko-Institute, die im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums die Zahl der Kollisionsopfer genau belegte. Bei den meisten Vogelarten gibt die Studie Entwarnung, für Mäusebussard und Rotmilan weisen die Ergebnisse allerdings darauf hin, "dass durch den derzeitigen Ausbauzustand bereits Kollisionsraten auftreten, die zu einem Bestandsrückgang führen können".
Neben den geschätzt 1000 getöteten Rotmilanen pro Jahr müssen wohl zwischen 10.000 und 12.000 tote Mäusebussarde der Windindustrie zugeschrieben werden – was selbst Ornithologen überraschte.
Dass laut Progress-Studie sogar bei dem in Deutschland häufig vorkommenden Mäusebussard eine Bestandsgefährdung zu erwarten ist, bedeutet neuen Ärger für die Branche. Denn der Vogel ist so weitflächig verteilt, dass Mindestabstände zu Windkraftanlagen, so gering sie auch immer angesetzt sein mögen, wohl zu einem völligen Stopp des Windkraftausbaus führen würden.
Am Ende hat womöglich Lars Lachmann recht. Der Ornithologe hält nichts davon, Klimaschutz auf Kosten des Vogelschutzes voranzutreiben. "Sonst sind schon kurzfristig die Vögel nicht mehr da, die wir langfristig vor dem Klimawandel überhaupt schützen wollten."

Samstag, 20. August 2016

Naturschützer beobachten Weiterbau im Windpark Meerhof!! Siegt diesmal wirklich die Drestigkeit oder das Recht?



Windpark Himmelreich GmbH & Co.KG  droht Bußgeld

Naturschützer beobachten Weiterbau im Windpark Meerhof

 

Bericht aus dem Sauerlandkurier vom 19.08.2016
Meerhof. „Das ist mir noch nie passiert. Im Prinzip bin ich platt. Deshalb habe ich es erst einmal nicht geglaubt“, sagt Josef Tumbrinck, Vorsitzender des Nabu NRW. Er wurde von Augenzeugen aus der Umgebung darüber informiert, dass am Mittwochabend sowie in der Nacht auf Donnerstag im Windpark Himmelreich in Meerhof trotz Baustopps weitergebaut worden sei. Der Nabu hat seinen Rechtsanwalt eingeschaltet, der den Hochsauerlandkreis als Genehmigungsbehörde informiert hat.
Der Hochsauerlandkreis hat am Donnerstag umgehend Mitarbeiter nach Meerhof geschickt, um mündlich einen Baustopp zu verhängen. Auch schriftlich gehe eine Ordnungsverfügung raus mit der Androhung eines Zwangsgeldes. Gleichzeitig werde ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Die Strafe könne bis zu 50.000 Euro betragen, erklärte Martin Reuther, Pressesprecher des Hochsauerlandkreises auf Nachfrage des SauerlandKurier. Der Baustopp, der aus einem Beschluss des Verwaltungsgerichts Arnsberg resultiert (SauerlandKurier berichtete), hat weiterhin Gültigkeit, so Reuther. „Das war der Firma auch bewusst“. Dies habe man in einem Gespräch im Kreishaus sowie telefonisch deutlich gemacht.
Michael Flocke, Geschäftsführer der Windpark Himmelreich GmbH & Co. KG, war bis zum Redaktionsschluss nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.
„Wir befürchten, dass Fakten geschaffen werden, obwohl das gerichtliche Verfahren noch nicht abgeschlossen ist“, sagt Johannes Schröder vom Verein für Natur- und Vogelschutz im HSK. Der Naturschützer war am Mittwoch gegen 17 Uhr sowie am Donnerstagmorgen in Meerhof vor Ort. Zum Zeitpunkt des Baustopps seien drei Türme im Aufbau gewesen, berichtet er. Einer der drei Türme – die Anlage Nummer neun – habe am Mittwoch nun ein weiteres, größeres Teil aufgesetzt bekommen. Am Donnerstagmorgen sei dann bereits zusätzlich die Gondel montiert gewesen. „Wir befürchten, dass es noch weitergeht. Ein Teil der Rotoren liegt da schon“, sagt Johannes Schröder. „Hier wird einfach seitens des Investors ein Gerichtsbeschluss mit Füßen getreten. Die Gegenseite baut einfach weiter als ob nichts gewesen sei frei nach dem Motto ,Dreistigkeit siegt“, so Josef Tumbrinck.
Das Verfahren ist noch anhängig. Wie berichtet, hatte das Verwaltungsgericht Arnsberg mit einem Beschluss in einem Eilverfahren den Bau von elf Windkraftanlagen gestoppt, weil die 60. Änderung des Flächennutzungsplans der Stadt Marsberg nicht rechtskräftig ist. Bislang steht eine entsprechende Genehmigung der Bezirksregierung Arnsberg aus. Der Hochsauerlandkreis hatte gegen den Beschluss des Verwaltungsgerichts Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht in Münster eingereicht. 
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Weiterbau im Windpark Himmelreich in Marsberg-Meerhof trotz Baustopp!



Naturschützer beobachten Weiterbau,

Umweltamt des HSK kann auch vor Ort die Bauleute nicht stoppen.

Bericht im SauerlandKurier am 18. Aug 2016

Hallo liebe Mitstreiter und Freunde,

nachfolgend der Link zum aktuellen Artikel im Sauerlandkurier. Die Presse im Kreis Paderborn ist ebenfalls informiert.

Im Windpark Himmelreich war es nur ein paar Tage lang still. Wir berichteten unter http://rbw-owl.blogspot.de/ über NABU-Pressemitteilung am 29.7. mit Foto von 3 halbfertigen Türmen.

Nun wird doch wieder weitergebaut
- trotz eines vom Verwaltungsgericht Arnsberg erlassenen Baustopps
- und obwohl ein Ordnungsverfahren mit Zwangsgeld und Bußgeld eingeleitet ist.

Naturschutzverbände befürchten, dass Fakten geschaffen werden, obwohl das gerichtliche Verfahren noch nicht abgeschlossen ist. Der Nabu hat erneut seinen Rechtsanwalt eingeschaltet.

Da wird seitens der Investoren heftig gepokert und um hohe Summen gezockt. Und wenn die Wette verloren wird, wird gejammert, es sei unverantwortlich hoher "Schaden" entstanden! Den man dann wieder einzuklagen versucht. D.h. noch eine weitere Wette um hohen Einsatz.

Im Augenblick aber wird der sogenannte "Schaden" stündlich größer, absichtlich! Denn es wird Tag und Nacht weitergebaut. Entsprechend steigt ständig auch der "Streitwert" der abzusehenden Gerichtsverfahren, bis zu betriebsfertigen(!) Anlagen, die evtl. demontiert und zurückgebaut werden müssen. Oder die nur mit Auflagen in Betrieb gehen dürfen, die ein absolutes Verlustgeschäft bedeuten.

Oder ist das Ganze ohnehin nur ein Abschreibungsgeschäft, und somit egal wie es ausgeht? Die Investoren müssen jedenfalls z.Z. das ganze Spielgeld für ihren Wett-Einsatz einfach so rumliegen haben, denn jede Bank würde sofort aus der Finanzierung aussteigen.

Aber die Projekt-Entwickler-Firmen und die Baufirmen bekommen natürlich so oder so ihr Geld.

Beobachten Sie in den nächsten Tagen die lokalen Medien. Es läuft hier ein Wirtschaftskrimi, schlimmer als ihn sich ein Drehbuchautor je ausdenken könnte!

Regionalbündnis Windvernunft e.V.
i.A. Michael Kalicinsky
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Streit ums Himmelreich

Naturschutzbund kritisiert Fortsetzung der Bauarbeiten – Flocke widerspricht

Bericht aus dem Westfälischen Volksblatt vom 19.08.2016

Altkreis Büren (han). Trotz des Baustopps, den das Verwaltungsgericht Arnsberg erlassen hat, gingen die Bauarbeiten im Windpark Himmelreich bei Meerhof weiter. Das hat gestern der Naturschutzbund (Nabu) kritisiert, der gerichtlich gegen den Park mit elf Windrädern an der Grenze zu Fürstenberg vorgeht.
Seit Mittwoch und in der Nacht zum gestrigen Donnerstag sei weitergebaut worden. Damit trete der Investor den Gerichtsbeschluss mit Füßen, so Nabu-Landesvorsitzender Josef Tumbrinck. Der Nabu bemühe sich, dem Recht zum Durchbruch zu verhelfen und akzeptiere dabei selbstverständlich auch für ihn negative Urteile. Die Gegenseite dagegen baue »einfach weiter, als ob nichts gewesen sei – frei nach dem Motto: Dreistigkeit siegt«, so Tumbrinck.
Den Vorwürfen widerspricht Michael Flocke, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Windpark Himmelreich GmbH & Co.KG, energisch. Der Windpark werde keineswegs weitergebaut. Vielmehr handele es sich um unvermeidbare Arbeiten, die fertiggestellt werden müssten, um Schäden zu vermeiden. So müsse beispielsweise ein offen liegender Generator geschlossen werden, nennt er ein Beispiel. Dafür müsse die Nabe auf das Windrad aufgesetzt werden.
Flocke unterstellt, dass es dem Nabu keineswegs um Artenschutz, sondern vielmehr um Projektverhinderung gehe. Überdies habe es »mit Fairness nichts zu tun«, sich mit Kritik an die Öffentlichkeit zu wenden und nicht zunächst den Betreiber auf die vermeintliche Fortsetzung der Bauarbeiten anzusprechen. Gegen den verhängten Baustopp habe seine Gesellschaft mittlerweile Beschwerde eingelegt.
Wie berichtet (WV vom 2. August) dürfen die elf geplanten Anlagen im Himmelreich, von denen einige bereits fast fertig sind, zurzeit nicht weitergebaut werden. Das Verwaltungsgericht Arnsberg hat vorsorglich einen Baustopp für den Windpark, der in der Nähe von Gut Wohlbedacht an Bad Wünnenberger Stadtgebiet angrenzt, verhängt. Eine Entscheidung im Rechtsstreit mit dem Naturschutzbund, der geklagt hatte, steht noch aus. Allerdings hat das Gericht bereits durchblicken lassen, dass der Baustopp durchaus eine Tendenz für das noch ausstehende Hauptverfahren zeige.

Donnerstag, 18. August 2016

Schwarzstörche haben ausgebrütet, fliegen aber weiter ihre Runden im Windpark bei der Suche nach Nahrung!

Anlagen im Windpark Hassel bei Lichtenau dürfen sich wieder uneingeschränkt drehen

Bericht aus dem Westfälischen Volksblatt vom 18.08.2016

Kreis Paderborn (WV). Die drei Windräder im Windpark Hassel bei Lichtenau, die der Kreis Paderborn zum Schutz eines brütenden Schwarzstorchenpaares tagsüber in genau definierten Zeiträumen stillgelegt hatte, können sich wieder uneingeschränkt drehen. Zuletzt durften die Anlagen von 4 bis 22.30 Uhr nicht laufen.

Das seitens des Kreises beauftragte Gutachterbüro hatte zuletzt am 8. August Flugbewegungen der Störche auf ihrer Futterroute beobachtet. Die Kreisverwaltung hat deshalb ihre Ordnungsverfügung von Anfang Juni mit sofortiger Wirkung aufgehoben. »Ich gehe davon aus, dass die Schwarzstörche das Nest verlassen haben und nunmehr keine Beeinträchtigungen für die Tiere in diesem Jahr durch den Betrieb der Windkraftanlagen zu erwarten ist«, heißt es im Schreiben des Paderborner Umweltamtes. Zwar seien die Vögel wohl noch zwei bis drei Wochen in der Region, die gefähriche Route zwischen Horst und Nahrungsgründen würden aber nicht mehr genutzt.

Im April hatte der Kreis Paderborn die Information erhalten, dass in Dahl ein brütendes Schwarzstorchenpaar gesichtet worden sei. Schwarzstörche zählen zu den besonders streng geschützten Tierarten. Daraufhin wurde ein Gutachterbüro beauftragt, die Flugrouten zu ermitteln. Die Auswertung ergab, dass diese tagsüber zur Nahrungssuche in den Süden des Kreises fliegen. Die drei Windräder lagen auf dieser Flugroute. Es drohte Kollisionsgefahr. Deshalb ordnete der Kreis Paderborn die stundenweise und vorübergehende Stilllegung der Windräder an, die ursprünglich sogar bis Ende September dauern sollte.

Die Betreibergesellschaft der Windkraftanlagen hatte allerdings umgehend dagegen geklagt. Das Verwaltungsgericht Minden bestätigte jedoch am 8. August im entsprechenden Eilverfahren die Verfügung des Kreises. Danach habe die Paderborner Verwaltung »schlüssig, konkret und substantiel darlegt«, aufgrund welcher Erwägungen sie die sofortige Vollziehung und damit stundenweise Stilllegung der Windräder angeordnet habe, hieß es. Das Gericht ließ den Kreis zudem wissen, dass im Rahmen der Prüfung bereits viel dafür spreche, dass sich die Verfügung im Hauptverfahren als rechtmäßig erweisen werde. Die Entscheidung im Hauptverfahren steht noch aus.

Windräder dürfen sich wieder drehen

Entwarnung: Die Dahler Schwarzstörche sind offenbar weiter gezogen

© 2016 Neue Westfälische
15 - Paderborn (Kreis), Donnerstag 18. August 2016

Paderborn. Die drei Windräder im Lichtenauer Windpark Hassel, die der Kreis Paderborn zum Schutz eines brütenden Schwarzstorchenpaares tagsüber stillgelegt hatte, können sich wieder uneingeschränkt drehen.


Das seitens des Kreises beauftragte Gutachterbüro hatte zuletzt am 8. August Flugbewegungen der auf dem Gebiet der Gemarkung Dahl nistenden Vögel beobachtet. Die Paderborner Kreisverwaltung hat deshalb ihre Ordnungsverfügung vom 6. Juni - wir berichteten - Anfang dieser Woche mit sofortiger Wirkung aufgehoben.


"Ich gehe daher davon aus, dass die Schwarzstörche das Nest verlassen haben und nunmehr keine Beeinträchtigungen für die Tiere in diesem Jahr durch den Betrieb der Windkraftanlagen zu erwarten ist", heißt es wörtlich im Schreiben des Paderborner Umweltamtes.

Samstag, 13. August 2016

Windräder drehen sich weiterhin nur nachts



Richter: Teilzeitstilllegung von drei Anlagen in Lichtenau ist rechtens – Betreiberfirma greift Landrat an

Bericht aus dem Westfälischen Volksblatt vom 10.08.2016


Dahl/Lichtenau (seb). Das Verwaltungsgericht (VG) Minden hat im Eilverfahren entschieden, dass die vom Kreis Paderborn angeordnete Teilzeitstilllegung von drei Windrädern in Lichtenau rechtens ist. Die Kreisverwaltung hatte der Planungsgesellschaft Hassel mit einer so genannten Ordnungsverfügung vom 6. Juni auferlegt, dass sich die Anlagen im Windpark Hassel bis zum 30. September nur nachts drehen dürfen. Die Kreisverwaltung hat die Stilllegung angeordnet, um ein auf einem Horst in Dahl erfolgreich brütendes Schwarzstorchenpaar zu schützen. Die Störche flögen tagsüber zur Nahrungsaufnahme durch den Windpark. Das hatte ein in Bielefeld ansässiges Gutachterbüro ermittelt, das die Flugrouten der Vögel beobachtet hatte.
»Es spricht im Rahmen der gebotenen summarischen Prüfung bereits viel dafür, dass sich die Verfügung vom 6. Juni im Hauptverfahren als rechtmäßig erweisen wird«, lassen die Richter durchblicken, wie über die noch in Minden anhängige Klage geurteilt werden könnte. Das Gericht lobt die von der Kreisverwaltung in Auftrag gegebene Untersuchung. Die sofortige Tagstilllegung sei von der Kreisverwaltung schlüssig, substanziiert und konkret begründet.
Unterdessen kommt scharfe Kritik von der Windkraft-Betreibergesellschaft. Als »völlig unverhältnismäßig« bezeichnet der Geschäftsführer der Planungsgesellschaft Hassel, Willi Pauli, das Vorgehen des Kreises. Seit April habe die Verwaltung von dem besiedelten Schwarzstorch-Horst gewusst. Anfang Juni sei die Abschaltungsverfügung bei der Lichtenauer Firma eingegangen. »In der Zwischenzeit hat man uns weder informiert noch das Wort gegönnt, ob nicht auch weniger drastische Maßnahmen als eine beinahe Komplett-Abschaltung möglich gewesen wären«, sagt Pauli. Er müsse davon ausgehen, dass es Landrat Manfred Müller »egal« sei, dass der Planungsgesellschaft ein wirtschaftlicher Schaden entstehe. Diesen beziffert die Firma »auf einige hunderttausend Euro«, wenn die Windräder tatsächlich bis Ende September nur nachts angeschaltet werden dürfen. Auf Angebote der Betreiberin, einen Beobachtungsposten zu installieren, der bei Sichtung eines Schwarzstorches die betreffenen Windräder innerhalb von 25 Sekunden abschalten könne, sei der Kreis nicht eingegangen. Zudem verstoße der Kreis aus Sicht der Planungsgemeinschaft gegen den Artenschutzleitfaden NRW.

Mittwoch, 10. August 2016

Heute berichtet die Neue Westfälische über die Teilabschaltung wegen Schwarzstörche: Der Bericht bringt weitere Info´s - auch >>>s e h r<<< interessant!

Schwarzstörche bremsen Windräder aus

Markantes Bild: Deutlich zu erkennen ist die Silhouette des Schwarzstorchs, der hier hinter einem im Bau befindlichen Windrad fliegt
.Umweltschutz: Der Betreiber muss die Anlage in Lichtenau wegen einer seltenen Vogelart tagsüber abschalten. Dies hat die Kreisverwaltung durchgesetzt. Jetzt klagt der Betreiber gegen diese Entscheidung


Paderborn. Egal ob es kräftig stürmt oder kein Lüftchen weht - die drei Windkraftanlagen in Lichtenau sind wegen einer behördlichen Anordnung des Kreises Paderborn zurzeit tagsüber abgeschaltet. Zwischen 4 Uhr und 22.30 Uhr dürfen sich die Windräder nicht drehen, im September zwischen 5 Uhr und 21.30 Uhr. Hintergrund: Die Gemeinschaft für Naturschutz im Bürener Land hat in Dahl ein brütendes Schwarzstorchenpaar entdeckt.


Daraufhin ließ der Kreis vom Bielefelder Gutachter Günter Bockwinkel die Flugroute der Vögel errechnen. Ergebnis: Diese führt direkt durch das Gebiet der Windräder. Entsprechend müssen die Anlagen bis Sonnenuntergang abgeschaltet bleiben.


Sehr zum Unmut von Daniel Saage von der Planungsgemeinschaft Windpark Hassel, die die Windräder betreibt: "Wir haben verschiedene Alternativen vorgeschlagen, aber oft nicht mal eine Antwort erhalten." Eine mögliche Lösung: Ein menschlicher Wachposten, der die Anlage jeweils abschaltet, sobald der Storch sich im Anflug befindet. Innerhalb von 25 Sekunden ständen die Rotorenblätter still, versichert das Unternehmen.


Den wirtschaftlichen Schaden durch die Abschaltung beziffert der Geschäftsführer des Windparks, Willi Pauli, auf einige Tausend Euro. Bei gutem Wind kann jede der drei Windräder bis zu 3 Kilowattstunden Strom für rund 270 Euro pro Stunde produzieren. Eine vierte Anlage befindet sich derzeit noch im Bau.


Grundsätzlich begrüße die Firma, dass bedrohte Tierarten, wie der Schwarzstorch, geschützt werden sollen, erklärt Saage: Nachhaltig sei die Abschaltung aber nicht: "Jede Stunde, die unser Windrad still steht, muss wo anders ein Kohlekraftwerk laufen." Des weiteren bezweifelt der Firmenvertreter die Effektivität der Abschaltung: "Wenn den Schwarzstorch unsere Mühlen stören, hätte er sich hier sicher nicht angesiedelt."


Gegen die Entscheidung des Kreises hat die Gesellschaft deshalb Klage beim Verwaltungsgericht Minden eingereicht. Ein erster Eilantrag wurde bereits zurückgewiesen. Laut Pressesprecherin Michaela Pitz spricht viel dafür, dass auch die Klage abgewiesen wird. Die Hauptverhandlung steht aber noch aus.


"Wenn sich die Kreisverwaltung vor Gericht durchsetzen sollte, dann müssen auch andere Windparks jederzeit mit solchen Repressalien rechnen", sagt Geschäftsführer Pauli. Schließlich könne niemand wissen, ob nicht auch an anderer Stelle nachträglich ein Storchenpaar seinen Horst in die Nähe von Anlagen baue und der Kreis daraufhin eine Stilllegungsverfügung durchsetzt.


Der Kreis Paderborn musste im aktuellen Fall das erste Mal überhaupt ein Windrad zeitweise aufgrund von Artenschutz abschalten lassen. In manchen Fällen wird die zeitweise Stilllegung aber auch schon beim Bau von Windrädern vorgeschrieben: So müssen Anlagen im Kreis Paderborn, die in der Nähe von landwirtschaftlich genutzten Flächen liegen, in der Erntezeit abschalten werden, weil währenddessen viele Mäuse auf den Feldern unterwegs sind, die den seltene Rotmilane anziehen

 

Lokales

Zwischenruf


Störche im Anflug

Vogelwächtergesucht


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Vielleicht sucht der freundliche Windbaron vom Hügel nebenan Sie bald für eine höchst verantwortungsvolle Tätigkeit als Wachposten: Ihre Aufgabe wäre es, das Windrad anzuhalten, sobald sich ein Storch nähert und die Anlage schnellstmöglich wieder zu starten, wenn dieser vorüber geflogen ist. Sie entscheiden über Leben und Tod einer seltenen Tierart und tragen gleichzeitig Verantwortung für Stromversorgung und regen Geldfluss.


Der Job ist befristet, bis die Störche im Winterquartier sind und ideal für pensionierte Fluglotsen, vom Pokémon-Fangen gelangweilte Studenten und Pfandflaschensammler, die sich beruflich weiterentwickeln möchten.


© 2016 Neue Westfälische
15 - Paderborn (Kreis), Mittwoch 10. August 2016

 

Samstag, 6. August 2016

Störche bremsen Windräder aus


Ein Bericht aus dem Westfälischen Volksblatt vom 06.08.2016

Ein Schwarzstorchpaar hat in einem Horst in Dahl erfolgreich gebrütet. Der Nachwuchs ist flügge. Der Kreis Paderborn hat wegen des besetzten Horstes und der Flugrouten der Schwarzstörche vier Windräder in Lichtenau zeitweise still gelegt. Fotos: Dr. Günter Bockwinkel        
                                 
Störche bremsen Windräder aus

    Kreis Paderborn ordnet zeitweise Stilllegung von vier Anlagen an

Dahl/Lichtenau(WV). Ein in Dahl brütendes Schwarzstorchenpaar bremst in Lichtenau vier Windräder aus. Der Kreis hat der Betreiberfirma eine vorübergehende Teilzeitstilllegung auferlegt. Dagegen klagt die Planungsgesellschaft Hassel vor dem Verwaltungsgericht (VG) in Minden.
Der Kreis Paderborn hat vier Windräder im Windpark Hassel bereits am 6. Juni vorübergehend stillgelegt. Die Räder dürfen nur zu bestimmten Zeiten angeschaltet werden. Gegen die so genannte Ordnungsverfügung des Kreises Paderborn sind in Minden ein Eilantrag (1L1155/16) und eine Klage (1K2812/16) anhängig. Das bestätigte auf Anfrage Pressesprecher Dr. Hans-Jörg Korte vom Verwaltungsgericht. Einen Termin für die Hauptverhandlung gebe es noch nicht.

»Wir haben die Ordnungsverfügung am 6. Juni zum Schutz des Schwarzstorches erlassen«, sagt Kreis-Pressesprecherin Michaela Pitz. Der Kreis hatte zuvor ein Gutachterbüro aus Bielefeld beauftragt, die Flugrouten des Schwarzstorchenpaares zu überprüfen. Nach Ergebnissen von Dr. Günter Bockwinkel hat das Paar, das erfolgreich gebrütet hat, seinen Horst in Dahl und fliegt zur Nahrungssuche Richtung Süden. Die Flugrouten führen durch den Windpark Hassel, wo neue Windräder errichtet worden sind. Vier dort stehende Windkraftanlagen sind von der vorübergehenden Teilzeitstilllegung betroffen. Drei der Räder seien bereits in Betrieb, das vierte befinde sich noch im Bau. Die Verordnung erlaubt der Betreiberfirma, die Windräder in den Monaten Juni bis September jeweils ein paar Stunden lang am Tag einzuschalten – überwiegend nachts, wenn das Schwarzstorchenpaar ruht. Die Anordnung des Kreises ist zunächst bis zum 30. September terminiert.

Die Planungsgesellschaft Hassel kann die Windräder im August zwischen 22.30 und 4 Uhr anschalten. Im September dürfen sich die Windräder von 21.30 bis 5 Uhr drehen. Im Juni und Juli, als das Storchenpaar brütete, standen die Räder fast 20 Stunden täglich still – von 3.30 in der Nacht bis 23 Uhr am Abend.

In den Streit zwischen dem Kreis als Genehmigungsbehörde und der Betreiberfirma hat sich das NRW-Umweltministerium eingeschaltet. Eine von der Staatskanzlei im Ministerium angesiedelte »Task Force Windkraft«, die sich um die Förderung erneuerbarer Energien kümmert und versucht, Hemmnisse abzubauen, die in der politischen Diskussion gegen den Ausbau entstanden sind, habe sich in dieser Woche den Horst in Dahl angeschaut.

Ausfindig gemacht hat das im Horst in Dahl brütende Schwarzstorchenpaar die Gemeinschaft für Naturschutz (GfN) im Bürener Land. »Neben dem Kreis Paderborn haben wir als GfN damals auch umgehend das Forstamt Hochstift als Waldbesitzer informiert und den sofortigen Prozessschutz beantragt«, erinnert sich deren Vorsitzender Hubertus Nolte. Er wertet den Besuch der Task-Force als weiteren Erfolg: »Damit ist dieses Thema auch in Düsseldorf angekommen.«

»Sollte das Schwarzstorchenpaar schon früher in sein Winterquartier fliegen und den Horst in Dahl verlassen, kann die Ordnungsverfügung schon vor dem 30. September aufgehoben werden«, kündigte Kreis-Pressesprecherin Michaela Pitz an.

Schwarzstorche sind kleiner und seltener als weiße Adebare. Nach Angaben des BUND gibt es in Deutschland etwa 380 brütende Schwarzstorchenpaare. 



  Paderborner Perspektiven

    Von Karl Pickhardt

»Himmelreich« schürt Nervosität

Streitdebatten über immer neue Windkraftanlagen reißen nicht ab. Sie spalten das Paderborner Land, das in seinen Hochflächen 600 Windkraftanlagen zwischen Teutoburger Wald, Eggegebirge und Sauerland sieht.
Jetzt schürt ein Beschluss des Verwaltungsgerichts Arnsberg offenbar die Nervosität unter Windkraftinvestoren. Die Arnsberger Richter haben einen Baustopp von elf Windkraftanlagen vor der Paderborner Haustür an der Kreisgrenze im Windpark »Himmelreich« in Meerhof mit einem Investitionsvolumen von 55 Millionen Euro verfügt und einem Antrag eines Naturschutzbundes (NABU NRW) an der Kreisgrenze stattgegeben. Pikant: Drei Anlagen befinden sich im »Himmelreich« schon im Bau, drohen zur Bauruine zu werden.
Natürlich ist mit einer Beschwerde aus der Windkraftlobby gegen den Beschluss der Arnsberger Richter zu rechnen. Aber ein Gerichtssprecher deutete schon an, dass der Baustopp auch eine Tendenz für das noch ausstehende Hauptverfahren zeige.
Die Arnsberger Verfügung findet auch in Paderborn und umliegenden Kommunen (besonders im Südkreis) Beachtung. Reihenweise haben Windkraftinvestoren und Projektierer ihre Windmühlenpläne vor Gericht durchgesetzt. In der Folge haben Städte und Gemeinden von Paderborn bis Büren, von Lichtenau bis Bad Wünnenberg auch aus Furcht vor Schadenersatzforderungen Windvorranggebiete im großen Stil ausgewiesen und den Weg zur Paderborner Mühlenflut geebnet. Die Zeitung »Die Welt« nennt die Paderborner Hochfläche ein Zentrum der deutschen Windindustrie.
Der Beschluss in Arnsberg trifft die von Gerichtserfolgen verwöhnten Windinvestoren empfindlich. Es ist wohl das erste Gericht, dass auch Umweltverbänden eine erweiterte Klagemöglichkeit ermöglicht. Damit gewinnen Arten- und Umweltschutzfragen in kommunalen Debatten bei der Ausweisung neuer Windkraftzonen im Flächennutzungsplan einen höheren Stellenwert. In Paderborn und Lichtenau bremst ein Storchenpaar Windmühlen aus.

                                                                   
                                                                         Das Arnsberger Urteil
könnte auch im Kreis
Paderborn Windkraftin-
vestoren Sand ins Getrie-
be streuen und Wind aus
den Segeln nehmen.

Das Richterwort aus Arnsberg setzt aber noch einen anderen Akzent: Kommunen müssen nicht uferlos immer neue Windkraftgebiete ausweisen. Am Beispiel der Stadt Marsberg bescheinigt das Gericht einer Kommune, dass sie bereits »eine nicht unbeträchtliche Fläche positiv für geeignete Windenergieanlagen-Standorte ausgewiesen« habe und man der Stadt keine »ausschließlich negativ wirkende Verhinderungsplanung« vorwerfen könne.
Exakt unter diesem Aspekt haben Paderborner Kommunen zuhauf Windkraftzonen ausgewiesen, um mit ihren Flächennutzungsplänen vor Gericht keinen Schiffbruch zu erleiden. Die Angst vor richterlicher Schelte, Verhinderungspolitik zu betreiben, befeuerte Planungen in den Rathäuser der windhöfigen Kommunen. Nach dem Geist des Arnsberger Beschlusses hätte die Stadt Marsberg gar keine Windkraftzonen mehr ausweisen müssen, weil sie schon ausreichend Flächen für Windkraftanlagen freigehalten habe.
Vielleicht sind auch Kommunen im Kreis Paderborn über das Ziel hinausgeschossen und haben des Guten zu viel getan.
Das Arnsberger Wort zum »Himmelreich« könnte auch im Kreis Paderborn Windkraftinvestoren Sand ins Getriebe streuen und Wind aus den Segeln nehmen. Der Druck wächst, weil künftig Subventionen für jede erzeugte Kilowattstunde Strom im Bieterverfahren ausgeschrieben werden. Das senkt die Margen. So drängen Investoren auf Baugenehmigungen noch in diesem und spätestens im nächsten Jahr, um sich den großen Kuchen vor dem Bieterverfahren zu sichern.
Die Arnsberger Verfügung könnte ein Zeichen setzen, dass Kommunen nicht scheinbar uferlos Windkraftzonen ausweisen müssen. Wohlgemerkt: Könnte. Denn auch das haben Windkraftbefürworter und Windkraftkritiker regelmäßig erfahren dürfen: Windkraftfreundliche Richter am Oberverwaltungsgericht kassieren immer wieder Entscheidungen der Verwaltungsgerichte ein. Die alte Kreisstadt Büren (»Bürener Urteil«) sowie auch Bad Wünnenberg wissen davon ein Lied zu singen. Aber Sperrfeuer ist es allemal, was Arnsberger Richter nicht nur fürs »Himmelreich abgeschossen haben.