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Dienstag, 6. Dezember 2016

Wie ist es um die Standsicherheit von Windrädern auf der Paderborner Hochfläche bestellt




LANDTAG NORDRHEIN-WESTFALEN                          Drucksache 16/13605
16. Wahlperiode

                                                                                                        25.11.2016





Kleine Anfrage 5384

des Abgeordneten Dietmar Brockes  FDP



Wie ist es um die Standsicherheit von Windrädern auf der Paderborner Hochfläche bestellt wurden Genehmigungen mit der gebotenen Sorgfalt erteilt?



Die Paderborner Hochfläche ist die größte Kalk- und Karstlandschaft Westfalens. Karstböden sind aufgrund geologischer Witterungsverhältnisse häufig mit Klüften und Spalten durchzogen. Dies kann sich, abhängig von den konkreten Bodenverhältnissen, negativ auf die Standsicher- heit von Bauwerken auswirken und umfangreiche Sicherungsmaßnahmen erforderlich ma- chen. So mussten bei Bau der Haxtergrundbrücke bei Paderborn zur Festigung des Funda- mentes einige zig Tonnen Zement zur Auffüllung der Hohlräume in den Boden gepresst wer- den.

Wie das Westfälische Volksblatt am 23. November 2016 berichtete, habe der Geologische Dienst NRW nun in einer Stellungnahme große Bedenken hinsichtlich der Standsicherheit von Windrädern auf der Paderborner Hochfläche geäußert. Laut den einschlägigen rechtlichen Vorgaben seien Standsicherheitsuntersuchungen durchzuführen, die über das Mindestmaß hinausgingen.

Konkreter Anlass für die Intervention für die neutrale Fachinstitution sei das Genehmigungs- verfahren für ein 135 Meter hohes Windrad im Windpark Hassel gewesen, das ein Gesamtge- wicht von über 1.600 Tonnen hat. Laut Zeitungsbericht wurden auf Hinweis des Geologischen Dienstes Kernbohrungen durchgeführt und dabei festgestellt, dass der Standort „gefährdet“ sei. Die vom Windkraftinvestor bisher angewandte geotechnische Baugrunduntersuchungs- methode sei demnach nicht zuverlässig. In dem vom Investor in Auftrag gegebenen Baugrund- gutachten fehlten „zwingend erforderliche“ Bewertungsgrundlagen, wie die Neue Westfälische vom 23. November 2016 ebenfalls berichtet, obwohl die Verkarstung des Bodens ausreichend bekannt gewesen sei.

Den Zeitungsberichten ist ebenfalls zu entnehmen, dass die vom Geologischen Dienst gefor- derten umfangreichen Baugrunduntersuchungen bisher für keines der bereits zahlreich ge- nehmigten Windrädern auf der Paderborner Hochfläche durchgeführt worden seien. Dies wirft Fragen nach der Sicherheit der Anlagen auf.



Datum des Originals: 25.11.2016/Ausgegeben: 28.11.2016


LANDTAG NORDRHEIN-WESTFALEN - 16. Wahlperiode                                                         Drucksache 16/13605



Vor diesem Hintergrund frage ich die Landesregierung:

1.         Welche Konsequenzen hat die Stellungnahme des Geologischen Dienstes für das lau- fende und zukünftige Genehmigungsverfahren für Windräder, die auf Karstböden errich- tet werden sollen?

2.         Wird die Landesregierung dafür sorgen, dass Bodenanalysen, die den vom Geologi- schen Dienst geforderten Kriterien entsprechen, für bereits genehmigte Windräder auf Karstböden nachgeholt werden?

3.         Welche genehmigungsrechtlichen Folgen sind möglich, wenn für bereits genehmigte Windräder nachträglich eine mangelnde Standfestigkeit festgestellt wird?

4.         Geht somit aktuell bereits von den auf Karstgrund aufgebauten Windrädern eine Gefähr- dung aus, auf die umgehend mit geeigneten Schutzmaßnahmen zu reagieren ist?

5.         Wird der Geologische Dienst regelmäßig in die Genehmigungsverfahren einbezogen?



Dietmar Brockes

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Die Investoren - vermeintliche Heilsbringer - werden nun im Buch offiziell entarnt


»Die Energiewende wird mittlerweile zum Heilsprojekt stilisiert, das man nicht anzweifeln darf«

Herausgeber Georg Etscheit im Interview zu »Geopferte Landschaften«
Herr Etscheit, Sie haben im Heyne Verlag das Buch »Geopferte Landschaften« herausgegeben. Darin prangern Sie und die Autoren des Buches den ungeheuren Wildwuchs an Windrädern, Fotovoltaik- und Biogasanlagen in Deutschland an. Was ist denn an Windrädern als Mittel zur grünen Energiegewinnung so schlecht?

Georg Etscheit: Windkraftwerke, ich sage ungerne Windräder, weil das an harmlose Spielzeuge erinnert, zerstören flächendeckend unsere letzten, noch halbwegs intakten Natur- und Kulturlandschaften. Außerdem sind sie wahre Killer für Vögel und Fledermäuse. Darüber hinaus sind sie extrem ineffizient und leisten keinen Beitrag zu einer sicheren Energieversorgung.

Lieber ein Windrad neben dem Haus als ein Atomkraftwerk – oder?

Georg Etscheit: Das ist ein Totschlagargument. Ich bin absolut kein Fan der Atomkraft. Sie ist und bleibt eine Risikotechnologie und das Problem der Endlagerung von Atommüll ist nach wie vor ungelöst. Fakt ist aber, dass Atomkraftwerke zu einer sicheren Energieversorgung beitragen, Wind- und Solarkraftwerke nicht. Sie liefern bekanntlich nur Strom, wenn der Wind weht oder die Sonne scheint. Oft gibt es sehr lange Perioden, in denen die sogenannten Erneuerbaren fast null liefern, unabhängig von der Zahl der Anlagen. Ohne die Möglichkeit von Stromspeicherung im gigantischen Maßstab, lässt sich das Problem nicht lösen. Und die ist nicht in Sicht.

Eine einzige Windkraftanlage beliefert heute mehr als tausend Haushalte mit Strom. Derzeit sind ca. 26.000 Anlagen in Deutschland installiert – demzufolge sollten 26 Millionen Haushalte in Deutschland mit Strom versorgt sein. Das bedeutet doch: Die Energiewende ist fast geschafft.

Georg Etscheit: Das ist eine Milchmädchenrechnung. Oft wird nur die Nennleistung von Windkraftwerken, die heute pro Anlage bei drei Megawatt liegt, genannt. Entscheidend ist jedoch, wieviel Strom, gerechnet in Megawatt- bzw. Kilowattstunden, im Jahresverlauf wirklich produziert wird. Im deutschlandweiten Durchschnitt liegt dieser Wert bei einem Sechstel der Nennleistung, bei Solarkraftwerken sogar nur bei einem Neuntel. Und wenn man mit Haushalten vergleicht, ist das die „kleinste Münze“, die man sich aussuchen kann. Denn elektrischer Strom macht nur ein Viertel des Gesamtenergieverbrauchs aus, davon entfallen auf Haushalte weniger als ein Fünftel. Wenn man da zu eindrucksvollen Ergebnissen kommt, ist das kein Wunder.

Das Energiekonzept der Bundesregierung sieht vor, bis zum Jahr 2050 unseren Strombedarf allein durch erneuerbare Energien zu decken. Halten Sie dieses Ziel für realistisch?

Georg Etscheit: Das ist absoluter Humbug. Wir werden wegen der Unsicherheiten der Erneuerbaren auf lange Sicht nicht auf fossile Kraftwerke verzichten können, um eine sichere und bezahlbare Energieversorgung zu gewährleisten. Außerdem müssten dafür insgesamt 80.000 bis 100.000 Windräder aufgestellt werden. Für das Antlitz unseres Landes und die Tierwelt wäre das ein kaum vorstellbares Desaster. Angesichts der wachsenden Proteste gegen Windparks halte ich das auch politisch für nicht durchsetzbar. Es sei denn, wir lebten in einer Öko-Diktatur.

Erneuerbare Energien leisten einen wichtigen Beitrag zum dringend notwendigen Klimaschutz, weil sie helfen, klimaschädliches CO2 einzusparen. Das ist immer wieder zu lesen. Was ist da dran?

Georg Etscheit: Deutschlands Beitrag zum internationalen Klimaschutz ist minimal. Sollen wir dafür unsere Landschaften und Tiere opfern? In letzter Zeit sind die CO2-Emissionen sogar wieder gestiegen, weil die Energiewende hocheffiziente, aber relativ teure Gaskraftwerke aus dem Markt treibt und mehr besonders dreckiger, aber billiger Braunkohlestrom produziert wird. Außerdem importieren wir Atomstrom aus unseren Nachbarländern. Es klingt jetzt vielleicht etwas egoistisch: Aber was nützt es, wenn wir unser Land mit Anlagen zur angeblich sauberen Energieproduktion, -verteilung und -speicherung zunageln und zur gleichen Zeit Donald Trump das Klimaschutzabkommen kündigt und die Chinesen ein Kohle- und Atomkraftwerk nach dem anderen bauen?

Sie fordern den sofortigen Stopp der Energiewende. Aber: Wo soll der Strom denn dann herkommen?

Georg Etscheit: Aus relativ sauberen Gas- und Dampfkraftwerken mit Kraftwärmekopplung, aus möglichst effizienten Steinkohlekraftwerken und natürlich aus Wind und Sonne und Wasser, die Geothermie nicht zu vergessen. Aber dort, wo die Sonne scheint und der Wind weht. Die größte Hoffnung setze ich auf die Sonne, auch hierzulande. Dazu braucht es eine innovative Solararchitektur, die Häuser zu Kraftwerken macht, ohne sie zu verschandeln. Wir könnten auch die Dachflächen in den Städten und auf den hässlichen Gewerbebauten für Solarenergie mobilisieren. Und wir sollten daran festhalten, Solarstrom aus Nordafrika zu importieren. Marokko baut derzeit große Solarkraftwerke. Das könnte auch in anderen Ländern des Maghreb geschehen, wenn sich die Lage dort stabilisiert hat. Wenn wir diese Entwicklung nachhaltig unterstützen, wäre dies auch ein entscheidender Beitrag zur Lösung der Flüchtlingskrise. Von dem Ziel „100-Prozent-Erneuerbar“ halte ich nichts, das ist reine Symbolpolitik, vergleichbar dem „schuldenfreien Haushalt“. Viel wichtiger wäre es, alle Kräfte aufs Energiesparen zu konzentrieren. Denn nur Energie, die erst gar nicht produziert werden muss, ist wirklich ökologisch.

Welchen Beitrag kann der Einzelne leisten, um Energie einzusparen?

Georg Etscheit: Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, Energie zu sparen: Zuerst sollte man auf den Straßen Tempolimits einführen: 100 auf Autobahnen, 80 auf Landstraßen. Dann könnten Kurzstreckenflüge konsequent auf die Bahn verlagert werden. Man könnte Prämien fürs Energiesparen aussetzen oder einen progressiven Stromtarif, bei dem der, der viel verbraucht, pro Kilowattstunde mehr bezahlen muss als der, der spart. In meinem Schlusswort habe ich noch sehr viel mehr aufgezählt, was der Staat, aber auch jeder Bürger machen kann. Ich selbst zum Beispiel verbrauche in einem 2-Personen-Haushalt nur ein Drittel des Stroms, der von den Münchner Stadtwerken als Durchschnittsverbrauch angegeben wird. Und ich arbeite nicht bei Kerzenlicht!

Gehen andere Länder in Sachen Energiewende mit besserem Beispiel voran? Können wir uns da Ihrer Meinung nach vielleicht sogar etwas abschauen?

Georg Etscheit: Jedes Land geht einen anderen Weg, um CO2 und andere Treibhausgase zu reduzieren, mal mit, mal ohne Atomkraft, mal mit, mal ohne Kohle, mal mit mehr, mal mit weniger Sonne und Wind, mal mit gigantischen Wasserkraftwerken, die im Übrigen auch nicht ökologisch sind. Wir werden es nicht schaffen, ohne neue, enorme Umweltschäden, bis zur Jahrhundertmitte, also schon in gut 30 Jahren, aus der Nutzung fossiler Energien auszusteigen. Die Unsicherheit, ob wir damit eine gefährliche Klimaveränderung auslösen, müssen wir aushalten. Die diesbezüglichen wissenschaftlichen Prognosen sind ernst zu nehmen, aber es sind Prognosen, nicht mehr und nicht weniger.

Sie schreiben: Die Energiewende in Deutschland ist ein hochemotionales Thema, das selbst Umweltverbände zu zerreißen droht. Inwiefern kommt es hier zu Interessenskonflikten?

Georg Etscheit: Die traditionellen Umweltverbände wie BUND, NABU, Greenpeace usw. setzen ganz auf den Klimaschutz und sind aufs Engste mit der Erneuerbaren-Industrie liiert. Sie behaupten, Klimaschutz sei die Voraussetzung, um Naturschutz zu betreiben. Dabei versuchen sie, den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben, und lassen zu, dass hier und heute Landschaft und Natur in ungeheurem Ausmaß zerstört werden. Sie verraten ihre einstigen Ideale und reißen mit dem fett gewordenen Hintern das ein, was sie vorher mit ihren Händen aufgebaut haben. Diesem Kurs wollen viele alt gediente Naturschützer nicht folgen. Deswegen haben sich mit der Naturschutzinitiative und dem Verein für Landschaftspflege und Artenschutz in Bayern (VLAB) zwei neue Organisationen gegründet, die sich zu den Wurzeln des Natur- und Umweltschutzes bekennen und dem Landschafts- und Naturschutz wieder Priorität einräumen.

Es gilt als politisch nicht korrekt, über die Schattenseiten der Energiewende sprechen. Warum eigentlich?

Georg Etscheit: Die Energiewende wird mittlerweile zum Heilsprojekt stilisiert, das man nicht anzweifeln darf. Einige Medien, insbesondere jene mit eher links-liberaler oder grüner Ausrichtung, lassen eine faire Diskussion darüber auf ihren Seiten leider nicht oder nur sehr begrenzt zu. Mehr will ich dazu nicht sagen. Aber noch dies: Deutschland hat sich, wieder einmal, dazu aufgeschwungen, die Welt zu retten. Das ist, wie wir leidvoll wissen, schon mehrfach schief gegangen. Leider wird auch immer wieder versucht, Kritiker der Energiewende, insbesondere des Windkraftausbaus, in die rechte Ecke zu stellen oder als „Wutbürger“ abzustempeln. Ich halte das für unredlich. Damit wird schlicht eine dringend notwendige Debatte aus ideologischen Gründen blockiert und der Demokratie letztlich ein Bärendienst erwiesen.

Eingangs haben Sie bereits angesprochen, dass Vögel und Fledermäuse häufig in den Rotoren der Windkraftanlagen verenden. Bringen dieses „stählernen Monster“, wie sie der Musiker und Umweltschützer Enoch zu Guttenberg in seinem Beitrag bezeichnet, auch gesundheitliche Risiken für den Menschen mit sich?

Georg Etscheit: Natürlich. Viele Menschen leiden nicht nur unter der Zerstörung ihrer Landschaften, sondern beklagen sich über erhebliche, zuweilen krank machende Lärmbelästigungen. Da ist nicht nur der sogenannte, unterhalb der Hörschwelle liegende Infraschall, der manifeste Gesundheitsprobleme erzeugen kann, sondern auch ganz normaler, hörbarer Lärm. Wer in der Nähe eines größeren Windparks lebt, kommt sich bei guten Windverhältnissen vor, als wenn er neben einem Flughafen wohnen würde.

Vielen Dank für das Interview!

Mittwoch, 23. November 2016

Dürfen wir nun die Gutachten zum FNP generell in Frage stellen?


»Täglich werden etwa 200 Tonnen Kalk aus der gesamten Paderborner Hochfläche herausgespült«, sieht Heiner Brinkmann vom Regionalbündnis Windvernunft dringenden Handlungsbedarf angesichts der Untersuchungen des Geologischen Dienstes. In einer Eingabe an den Kreis Paderborn als Genehmigungsbehörde fordert er für das Bündnis Maßnahmen und Konsequenzen auch bei der Genehmigung von beantragten Windkraftanlagen wie bei Neuenbeken, Borchen oder Niederntudorf.
In dem Schreiben bemängeln die Vertreter, dass die zwingend vorgeschriebenen Baugrunduntersuchungen nach der geotechnischen »Kategorie 3« von den Betreibern nicht durchgeführt wurden, obwohl den ortsansässigen Betreibern die Verkarstung des Untergrundes bekannt sei. Die Initiative sieht sich durch die Fachbehörde in ihrer Forderung bestätigt, dass für die genehmigungsfähige Abnahme eines solchen Bauwerkes eine »ausreichende Anzahl von Bohrungen entsprechend Din 4020« erfolgen müsse. Speziell im Windpark Hassel sei davon auszugehen, dass »die Gefahr eines Erdfalls im direkten Bereich einer WEA latent vorhanden ist«.

Tausende Tonnen ruhen auf dem Boden

Eine Enercon E 101, deren Standfestigkeit auf Karst- untergrund durch den Geologischen Dienst untersucht worden ist, steht in der Regel auf einem massiven Fundament mit einem Durchmesser von bis zu 30 Metern und einer Höhe von bis zu vier Metern. Allein das statische Gewicht eines Windrades ist enorm: Nach Herstellerangaben hat das Rad mit einer Nabenhöhe von 135 Metern allein bei der Rotormasse (Generator, Nabe und Blätter) ein Gewicht von 127 Tonnen. Der Gesamtturm wiegt 1600 Tonnen. Hinzu kommt das Fundament mit einem Volumen von etwa 1000 Kubikmetern Beton.
Ausgabe : Westfälisches Volksblatt 23.11.2016


Kritiker bemängeln Windkraftstandorte

Standsicherheit: Das Regional-Bündnis Windvernunft OWL-Sauerland wirft Betreibern vor, nur rudimentäre Gutachten in Auftrag gegeben zu haben. Der betroffene Gutachter hält geforderte Bohrungen für unnötig


Paderborn. In der Diskussion um Windräder haben die Kritiker vom Regional-Bündnis Windvernunft OWL-Sauerland einen neuen Angriffspunkt: Sie bemängeln die Standsicherheit der Anlagen auf den Karstflächen im Raum Paderborn. Diese sei ihrer Ansicht nach nicht gegeben. Sie begründen dies mit einer Stellungnahme des Geologischen Dienstes NRW zu einem exemplarischen Fall im Windpark Hassel (Lichtenau). Die Landesbehörde beurteilt die Bodenverhältnisse zum Teil anders als der vom Betreiber beauftragte Gutachter.
Die Windkraftgegner werfen den Anlagenbetreibern vor, nur rudimentäre Gründungsgutachten in Auftrag gegeben zu haben. "Wir haben die große Sorge, dass die Gutachten nicht ausreichend sind", sagte der Windvernunft-Vorsitzende Heinrich Brinkmann. Eine Baugrundbeurteilung mittels der angewandten Geoelektrik sei nicht möglich, da nur Löcher erkannt würden, die größer sind als einen Meter.
Vor etwa einem Jahr hatte ein Lichtenauer die Arbeiten am Fundament des betreffenden Windrades fotografiert und dokumentiert - mit Öffnungen aufgrund des Karstbodens. Daraufhin hatte sich ein früherer Hochschulprofessor aus Bad Driburg, der beim Bau der Hochbrücke über den Haxter Grund beratend war, das Gutachten angeschaut. Er kam zur Bewertung, dass die geotechnische Untersuchung des Baugrunds keine zuverlässige Methode sei.
Diese Sicht teilt der Geologische Dienst NRW in Krefeld, den der Kreis Paderborn im April um eine Stellungnahme des kritisierten Gutachtens gebeten hatte. Als direkte Baugrundaufschlüsse kämen "nur Rotationskernbohrungen mit durchgehender Gewinnung gekernter Proben in Betracht", heißt es in dem Schreiben. Diese Kerne seien detailliert zu beschreiben. Ohne Bohrungen fehlten entscheidende Grundlagen zum Nachweis des Baugrundaufbaus, die laut Norm "zwingend erforderlich" seien. Sonst sei eine "zuverlässige Beurteilung nicht möglich", es lägen "keine belastbaren Ergebnisse über eventuelle Hohlräume im Untergrund und zur Gefahr von Erdfällen vor".
Daraufhin habe der Windkraftanlagenbetreiber Johannes Lackmann mit dem Kreis Paderborn eine freiwillige Probebohrung vereinbart, zu deren Ergebnissen der Geologische Dienst erneut Stellung nehmen sollte. Demnach beständen aus ingenieurgeologischer Sicht jedoch weiterhin "erhebliche Bedenken".
"Zur Zeit liegt der Standsicherheitsnachweis nicht vor", sagte Heinrich Brinkmann. Er und Mitstreiter wie Hubertus Nolte (2. Vorsitzender Windvernunft und Vorsitzender der Gemeinschaft für Naturschutz - GfN - im Bürener Land) und Franz Mattenklodt (Windvernuft- und GfN-Mitglied) fordern für alle Genehmigungsverfahren das Einhalten der vorgeschriebenen Normen. Ihnen sei es so vorgekommen, als ob diese Thematik für den Kreis Paderborn "ganz neu gewesen sei", sagte Brinkmann.
Für Windenergieproduzent Johannes Lackmann ist die Diskussion "an den Haaren" herbeigezogen. "Wir haben die Gutachten, ich kann nur bauen, wo ich es darf", sagte Lackmann. In einem Fall habe sein Gutachter einen Standort als unbrauchbar abgelehnt. Gegen eine Gefahr spreche aus Lackmanns Sicht auch der Haftpflichtversicherungsbeitrag, den er pro Jahr und Anlage zu zahlen habe: 90 Euro.
Der betroffene Gutachter kritisierte die Windkraftgegner, "so mit den Ängsten und Sorgen der Bürger umzugehen". Der vorhandene Kreidekalkstein sei verkarstungsempfindlich und strukturgeologische Anomalien in der Tat besorgniserregend, sie würden aber mittels moderner Technologie entdeckt. Und Kleinere Kluftzonen seien keine Gefahr. Bohrungen anhand geophysikalischer Untersuchungen könnten bei Bedarf notwendig sein. Wo es keine Bodenphänomene gebe, seien sie aber unnötig, da sie nur im unmittelbaren Bohrbereich Aufschlüsse gäben. Aber natürlich könne nichts endgültig ausgeschlossen werden.
Er habe bei etwa 5.000 Windenergieanlagen begutachtet und beraten, sagte der betroffene Gutachter. Wegen der Stellungnahme des Geologischen Dienstes witterten die Gegner nun eine Chance. "Wenn man das Problem der Erdfälle umfassend betrachtet, beträfe es alle Bauvorhaben wie auch Wohnhäuser und nicht nur Windenergieanlagen", betonte er: "Es gibt im Kreis Paderborn keine einzige Anlage, die wackelt und schief steht oder umgefallen ist."
Zur Stellungnahme des Geologischen Dienstes sagte der Gutachter, dieser habe sein Gutachten "nicht in der Vollständigkeit gewürdigt".
Der Kreis Paderborn als Genehmigungsbehörde teilte auf Anfrage mit: "Wir prüfen die gutachterliche Stellungnahme des Geologischen Dienstes."



© 2016 Neue Westfälische
15 - Paderborn (Kreis), Mittwoch 23. November 2016
 

Dienstag, 22. November 2016

Und weiter wächst das Mißtrauen!


Wirtschaft

"Etikettenschwindel beim Strom-Mix"

Lichtblick: Ökostromanbieter sieht bei Versorgern deutliche Abweichungen.

Und kritisiert: Verbraucher werden durch gesetzliche Regelung in die Irre geführt


Berlin (AFP). Die Angaben von Energieversorgern zu ihrem Strommix führen nach Angaben des Anbieters Lichtblick viele Verbraucher in die Irre. So kaufen zahlreiche der 35 geprüften Versorger deutlich mehr Kohle- und Atomstrom ein, als sie in ihrem Strommix angeben, teilte Lichtblick in Hamburg mit. Grund seien gesetzliche Kennzeichnungsvorschriften, gegen die es in der Branche allerdings "keinen großen Protest" gebe, weil sie viele Versorger "grüner aussehen" lassen als sie sind, sagte ein Lichtblick-Sprecher.


Der Öko-Versorger nahm die Angaben von 35 Stromanbietern unter die Lupe, die für das Jahr 2015 bis zum 1. November veröffentlicht werden mussten. Darunter sind große Konzerne wie Eon, Vattenfall und EnBW, aber auch zahlreiche kleinere Stadtwerke - und Lichtblick selbst. Das Unternehmen errechnete, wie der Stromeinkauf des jeweiligen Anbieters tatsächlich aussah. Das Ergebnis: Bei drei Anbietern ist der Anteil von konventionellem Strom aus Atom, fossiler Energie wie Kohle und Erdgas 42 Prozent höher als im angegebenen Strommix. Bei 21 Versorgern war der Anteil im Stromeinkauf mindestens 30 Prozent höher.


Hintergrund für die Abweichungen ist laut Lichtblick die gesetzliche Vorgabe für Versorger, einen Pflichtanteil an Strom aus Erneuerbaren Energien ausweisen zu müssen. So müsste letztlich auch ein fiktiver Anbieter, der zu 100 Prozent Kohlestrom produziert und nur Haushalte und Kleingewerbe beliefert, einen Anteil an EEG-Strom von 45,5 Prozent ausweisen, erläuterte Lichtblick-Sprecher Ralph Kampwirth. Verbraucher würden dies aber nicht richtig verstehen und annehmen, die Aufteilung entspräche dem für sie eingekauften Strommix.


"Die Versorger können nichts dafür, weil es der Gesetzgeber so vorschreibt", kritisiert Kampwirth. Mit der Stromkennzeichnung habe die Europäische Union für mehr Transparenz sorgen wollen, was für Strom für den Kunden eingekauft werde. Die Bundesregierung möchte ihrerseits, dass der Kunde sehe, dass er die Energiewende fördere. Beide Ansätze seien richtig, aber die gesetzliche Regelung hierzulande führe dazu, "dass man den Versorger grünwäscht".


Der Öko-Versorger Lichtblick forderte eine "rasche Reform der Kennzeichnung", damit der "Etikettenschwindel" ein Ende finde. "Auch für Stromprodukte muss gelten: Es darf nur das draufstehen, was auch drin ist", erklärte Lichtblick-Geschäftsführer Gero Lücking. "Nur so können Verbraucher Tarife und Anbieter klar unterscheiden."


¦ Meinungsbörse


© 2016 Neue Westfälische
15 - Paderborn (Kreis), Dienstag 22. November 2016
 

Donnerstag, 10. November 2016

Auch im "Asselner" Windpark ist so etwas möglich!




Möhnesee - Eine 24 Jahre alte Windkraftanlage in der Nähe des Bismarckturms hat in der Nacht zu Mittwoch zwei jeweils etwa 50 Kilogramm schwere Flügelspitzen verloren. Eine der Spitzen steckte nur wenige Meter neben der B 516 im Acker, eine war neben der Abzweigung nach Dreihausen zu Boden gegangen.
Die havarierte Anlage und ebenso ein benachbartes „Windrad“ gleicher Bauart wurden unmittelbar nach bekanntwerden des Vorfalls von den Behörden vorläufig stillgelegt. Ebenso wurde verfügt, dass das Areal um die beiden Windenergieanlagen mit Flatterband abzusperren ist. Ergänzend nahm die Bauaufsicht beim Kreis Soest Recherchen auf, ob es weitere Anlagen dieses Typs der Firma „Nordex“ im Kreis gibt. Erste Erkenntnis: Auch in Ense hatte es eine solche Anlage gegeben, die aber schon seit einiger Zeit abgebaut ist, erläuterte Wilhelm Müschenborn, der Pressesprecher des Kreises.
Die genaue Ursache für den Unfall ist noch unklar, möglicherweise kommt Materialermüdung in Betracht. Jedenfalls seien die Fliehkräfte an den Spitzen der Rotorflügel enorm, so die Behörden.
Otto Sprenger von der Betreibergemeinschaft erklärte, dass die beiden Anlagen regelmäßig kontrolliert wurden. „Der Sachverständige war am Montag noch da.“ Die Anlage sei nach Auskunft eines Sachverständigen reparaturfähig. Danach sollen die vorläufig stillgelegten Anlagen wieder in Betrieb gehen. Vorher, so Müschenborn, müsse die Betriebssicherheit durch einen Sachverständigen belegt werden.
Die beiden Windkraftanlagen, die auf Gittermasten montiert sind, wurden 1992 errichtet, seinerzeit hatte die Gemeinde noch keine Vorrangzonen für die Windkraft ausgewiesen. Schon vorhandene Altanlagen stehen daher unter Bestandsschutz. Müssen solche Anlagen außerhalb der Vorrangzone abgebaut werden, dürften im allgemeinen keine neuen mehr errichtet werden.
Genehmigt wurden die beiden Windkraftanlagen noch nach Baurecht. Entlang Kreis-, Bundes- und Landesstraßen gilt der Bereich von null bis 20 Metern als Tabuzone, ab 20 Metern sind fragliche Standorte zustimmungspflichtig, die Straßenbaulastträger waren seinerzeit gehört worden, so Müschenborn.
Dass die durch die Luft fliegenden Flügelspitzen erheblichen Schaden hätten anrichten können, wird daran ersichtlich, dass sie rund 80 Meter von der Anlage entfernt zu Boden gingen. Otto Sprenger im Namen der Betreibergemeinschaft: „Uns geht das auch nahe, da hätte ja sonstwas passieren können, da war schon Kawumm dahinter.“ Ähnlich schätzte dies Hansfriedrich Winter vom Ordnungsamt der Gemeinde Möhnesee ein.
Unfälle mit Windkraftanlagen kommen durchaus häufiger vor. Spektakulär war der Brand einer Anlage bei Echtrop im Februar 2014. Auch kommt es bisweilen vor, dass Windkraftanlagen einen oder mehrere Rotorblätter oder Teile davon verlieren. Nach dem Orkan „Xaver“ brach im Dezember 2013 bei einem Windrad in Döhlen im Kreis Oldenburg gleich die ganze Gondel ab, bei Vlatten im Kreis Euskirchen knickte „Xaver“ eine Anlage mit 65 Metern Nabenhöhe um, in Nordbayern riss er das Rotorblatt eine Anlage ab. Im Juni 2013 krachte in den USA ein Rotorblatt auf einen Kindergarten, in dem sich zu diesem Zeitpunkt zum Glück keine Personen aufhielten. Unfälle mit Todesfällen oder Verletzten ereignen sich ansonsten zumeist bei Wartungs- oder Montagearbeiten. - tbg
Eine Auflistung von Unfällen mit Windkraftanlagen findet sich hier: www.gegenwind-vogelsberg.de/informationen/unfall/havarie/